Chronische Nierenerkrankungen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen älterer Menschen
Cloppenburg. In einem Patientenvortrag hat Prof. Dr. med. Johan Lorenzen im St.-Josefs-Hospital Cloppenburg erläutert, wie sich die Nierenfunktion im Alter verändert und wo Gefahren lauern.
Die Nierenfunktion nehme mit zunehmendem Alter auf natürliche Weise ab, sagte der Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie. Chronische Nierenerkrankungen gehörten zu den häufigsten, aber oft lange unbemerkten Gesundheitsproblemen älterer Menschen.
Zunächst erklärte Lorenzen, wie die Nieren arbeiten und welche Aufgaben sie im Körper übernehmen – von der Reinigung des Blutes über den Wasser- und Salzhaushalt bis zur Bildung wichtiger Hormone. Anschließend zeigte er, warum die Nierenfunktion im Alter nachlässt: Die feinen Filtereinheiten vernarben mit den Jahren zum Teil. Die Niere hält Salz und Wasser schlechter zurück, der Körper kann leichter austrocknen und übersäuern, was Muskeln und Knochen belastet. Der Urin wird weniger konzentriert, nächtliches Wasserlassen nimmt zu. Auch Blutarmut, Schwindel und – weil Insulin länger wirkt – Unterzuckerungen können auftreten.
Ältere Nierenpatienten litten zudem häufig gleichzeitig an Diabetes und Herzschwäche; diese Erkrankungen verstärkten sich gegenseitig.
Als wichtiges Warnzeichen nannte Lorenzen Eiweiß im Urin und riet zu regelmäßigen Kontrollen. Anschließend beschrieb er, was bei einer chronischen Nierenerkrankung geschieht: Die Filterkörperchen der Niere gehen nach und nach zugrunde, die verbleibenden müssen ihre Arbeit übernehmen. Sind zu viele verloren, droht das Nierenversagen.
Wie lässt sich eine Verschlechterung aufhalten oder verlangsamen? Als Möglichkeiten nannte der Chefarzt eine gute Einstellung des Blutdrucks sowie moderne Medikamente – darunter bestimmte Blutdruckmittel (Nutzung von so genannten RAAS-Inhibitoren wie Ramipril oder Candesartan) und neuere Wirkstoffe, die ursprünglich zur Diabetesbehandlung entwickelt wurden (sogenannte SGLT2-Hemmer). Damit lasse sich der Beginn einer Dialyse häufig hinauszögern.
Ein weiteres Thema war die Dialyse im hohen Lebensalter. Nierenerkrankung und Dialyse könnten das Leben stark einschränken, so Lorenzen. Er schilderte, wie es Patientinnen und Patienten unter der Dialyse ergehe: Die Selbstständigkeit nehme oft deutlich ab, die Dialyse selber kann sehr belastend für den Patienten sein. Gerade bei sehr alten, mehrfach erkrankten Menschen riet er, sorgfältig abzuwägen, ob eine Dialyse sinnvoll sei – und verwies auf eine gute konservative, also nicht auf Dialyse gestützte Behandlung als gleichwertige Alternative. Bei hochbetagten, multimorbiden Patienten werde die Überlebenszeit durch Dialyse nicht wesentlich verlängert – die Dialyse bringe aber enorm erhöhte Belastungen für den Patienten mit sich.
Zum Abschluss gab Lorenzen Tipps für gesunde Nieren im Alter: ausreichend trinken (bei Herz- oder Nierenschwäche in Absprache mit dem Arzt), Vorsicht bei Schmerzmitteln, Blutdruck und Blutzucker gut einstellen sowie Medikamente, Nierenwerte und den Urin regelmäßig überprüfen lassen. Auch eine ausgewogene Ernährung und viel Bewegung seien wichtig.
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Daniel Meier
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Krankenhäuser Schwester Euthymia Stiftung
