Unter Darmkrebs versteht man in der Regel bösartige Tumoren des Dickdarms (Kolon) und des Enddarms (Rektum) – zusammen spricht man auch von kolorektalem Karzinom.
In Deutschland erkrankt im Laufe des Lebens etwa eine von 19 Frauen und einer von 15 Männern an Darmkrebs.
Wichtige Punkte:
- Die meisten Tumoren entstehen im Dickdarm oder Enddarm.
- Bösartige Tumoren des Dünndarms sind im Vergleich dazu sehr selten.
- Über 90 % der Darmkrebserkrankungen sind sogenannte Adenokarzinome, die aus Drüsenzellen der Darmschleimhaut entstehen.
Vom Polypen zur Krebserkrankung
Die meisten Darmkrebserkrankungen entstehen nicht plötzlich, sondern entwickeln sich schrittweise aus gutartigen Vorstufen, den sogenannten Darmpolypen (meist Adenome).
Bei der sogenannten Adenom–Karzinom-Sequenz sammeln sich über viele Jahre Veränderungen im Erbgut der Zellen an, bis ein bösartiger Tumor entsteht.
Typischer Ablauf:
- Zunächst entsteht ein gutartiger Polyp.
- Über viele Jahre sammeln sich in den Zellen Erbgutveränderungen (Mutationen).
- Die Zellen verlieren ihre Wachstumskontrolle.
- Es entsteht ein bösartiger Tumor (Karzinom).
Der Übergang von einem Adenom zu Krebs dauert in der Regel viele Jahre. Deshalb sind Vorsorge-Darmspiegelungen so wichtig: Polypen können entfernt werden, bevor sich Krebs entwickelt.
Rolle von Alter und Lebenszeit
Mit zunehmendem Alter sammeln sich in den Zellen mehr kleine Erbgutschäden, und die natürlichen Reparatursysteme arbeiten weniger effizient. Deshalb steigt das Risiko für Darmkrebs ab etwa 50 Jahren deutlich an.
Darmpolypen sind gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut, die von der Darmwand ins Darminnere hineinragen.
Sie können:
- verschiedene Formen haben (mit Stiel, flach, polsterartig)
- sehr klein (Millimeter-Bereich) oder mehrere Zentimeter groß sein
- einzeln oder in großer Zahl auftreten
Je größer ein Adenom ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es schwere Zellveränderungen oder bereits Krebszellen enthält.
Entfernung von Polypen (Polypektomie)
Die Entfernung von Polypen während der Darmspiegelung wird Polypektomie genannt. Über das Endoskop wird eine feine Drahtschlinge an den Polypen geführt. Anschließend wird die Schlinge zugezogen. Ein kurzer Hochfrequenzstrom erhitzt die Schlinge und schneidet den Polypen ab und verschließt kleine Gefäße. Der entfernte Polyp wird anschließend im Labor vom Pathologen mikroskopisch untersucht. So lässt sich feststellen, ob er vollständig entfernt wurde und ob Vorstufen oder Krebszellen enthalten waren.
Die meisten Darmkrebserkrankungen entstehen zufällig (sporadisch). Nur ein kleiner Teil ist eindeutig auf erblich bedingte Syndrome zurückzuführen.
Wichtige erbliche Formen sind:
- Familiäre adenomatöse Polyposis (FAP)
- Lynch-Syndrom (hereditäres nicht-polyposis-Kolonkarzinom, HNPCC)
- Seltene Polypensyndrome (z. B. Peutz-Jeghers-Syndrom, Juvenile Polyposis)
Familiäre adenomatöse Polyposis (FAP)
Die FAP ist eine seltene, erblich bedingte Erkrankung. Schon im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter entwickeln Betroffene Hunderte bis Tausende von Polypen im Dick- und Enddarm.
Ohne Behandlung besteht ein nahezu 100-prozentiges Lebenszeitrisiko, an Darmkrebs zu erkranken – meist vor dem 40. Lebensjahr.
Die Erkrankung wird autosomal-dominant vererbt: Hat ein Elternteil FAP, liegt das Risiko für jedes Kind bei etwa 50 Prozent, die Genveränderung zu erben. FAP ist sehr selten und macht deutlich unter 1 Prozent aller Darmkrebserkrankungen aus.
Betroffene benötigen sehr frühe und engmaschige Darmspiegelungen; häufig wird zur Vorbeugung eine Entfernung des Dickdarms (Kolektomie) empfohlen.
Lynch-Syndrom (HNPCC)
Das Lynch-Syndrom ist die häufigste erbliche Form von Darmkrebs. Ursache sind vererbte Veränderungen in DNA-Reparaturgenen (zum Beispiel MLH1, MSH2, MSH6, PMS2, EPCAM). Diese Gene reparieren normalerweise Erbgutschäden. Wenn sie ausfallen, steigt das Risiko für Krebs.
Etwa 2 bis 4 Prozent aller Darmkrebserkrankungen gehen auf das Lynch-Syndrom zurück. Das Lebenszeitrisiko für Darmkrebs liegt bei Betroffenen ungefähr zwischen 40 und 80 Prozent. Zusätzlich besteht ein erhöhtes Risiko für andere Krebsarten, zum Beispiel Gebärmutter-, Eierstock-, Magen- und Harntrakt-Tumoren.
Auch hier sind frühe und häufige Vorsorgeuntersuchungen wichtig, insbesondere regelmäßige Darmspiegelungen.
Weitere seltene erbliche Polypensyndrome
Zu den seltenen erblichen Polypensyndromen gehören zum Beispiel das Peutz-Jeghers-Syndrom und die Juvenile Polyposis.
Beim Peutz-Jeghers-Syndrom treten zahlreiche Polypen im Dünn- und Dickdarm sowie dunkle Pigmentflecken an Lippen und Mundschleimhaut auf. Das Risiko für Darmkrebs und andere Tumoren ist deutlich erhöht.
Bei der Juvenilen Polyposis finden sich zahlreiche Polypen im Dickdarm und/oder Magen. Auch hier ist das Lebenszeitrisiko für Darmkrebs erhöht, sodass eine spezialisierte Betreuung und lebenslange Vorsorge notwendig sind.
Wann an eine erbliche Form denken?
Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt an, wenn:
- mehrere Angehörige in Ihrer Familie an Darmkrebs oder anderen Krebserkrankungen leiden oder litten,
- jemand in der Familie vor dem 50. Lebensjahr an Darmkrebs erkrankt ist,
- bei Ihnen oder Angehörigen sehr viele Polypen im Darm gefunden wurden,
- zusätzlich andere Krebserkrankungen (zum Beispiel Gebärmutter-, Eierstock-, Magen-, Bauchspeicheldrüsenkrebs) in der Familie gehäuft auftreten.
In solchen Situationen kann eine genetische Beratung sinnvoll sein. Dort wird gemeinsam geprüft, ob ein Gentest empfohlen wird und welche Vorsorgeuntersuchungen für Sie und Ihre Familie passend sind.
