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Systemische/ Medikamentöse Therapien

Chemotherapie

Eine Chemotherapie wird bei Patienten mit Dickdarmkrebs ab Stadium III und bei Mastdarmkrebs bereits ab Stadium II empfohlen. Sie dient insbesondere bei Patienten mit Lymphknotenbefall dazu, nach einer erfolgreichen Operation die Wahrscheinlichkeit des dauerhaft anhaltenden Therapieerfolges zu erhöhen. 

Eine adjuvante Chemotherapie dient dazu, zusätzlich zur radikalen Operation die Langzeitergebnisse zu bessern. Die neoadjuvante Therapie wird bei einem ausgedehnten Tumorwachstum im Rektum (Mastdarm) vor der Operation eingesetzt. Es handelt sich dabei um eine Chemotherapie, eine Strahlentherapie oder um eine Kombination aus beiden Verfahren. Sie dient dazu, den Tumor zu verkleinern, um ihn so besser operativ entfernen zu können. 

Je nach Befund kann beim Rektumkarzinom (Enddarmkrebs) eine sogenannte total neoadjuvante Therapie (TNT) empfohlen werden, bei der sich nach einer Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie noch eine Chemotherapie für 3-4,5 Monate anschließt. Das Ziel dieser Therapie ist eine weitere Verkleinerung des Tumors. Eventuell kann bei sehr gutem Effekt dieser Therapie sogar bei einem Teil der Patienten auf eine Operation verzichtet werden. Dann erfolgen sehr engmaschige und disziplinierte Nachsorge mit Spiegelung und MRT.

Adjuvante Chemotherapien sind beim Bauchspeicheldrüsenkrebs praktisch immer angezeigt und werden mit verschiedenen Schemata, je nach Alter und Allgemeinzustand, in der Regel für 6 Monate durchgeführt.

Die palliative Chemotherapie hat das Ziel, die Lebensqualität zu verbessern und das Leben zu verlängern. Sie wird gelegentlich mit einer Strahlentherapie kombiniert.

Mögliche Fragen an den Arzt (Chemotherapie)

  • Muss bei mir eine Chemotherapie durchgeführt werden?
  • Gibt es Spätfolgen durch die Behandlung, wenn ja, welche?
  • Wann und wie oft soll die Behandlung durchgeführt werden?
  • Wie wird die Behandlung durchgeführt?
  • Welche Nebenwirkungen hat die Behandlung?
  • Wie lange halten die Nebenwirkungen an?
  • Was kann ich tun, um die Nebenwirkungen gering zu halten?

Die bei der Chemotherapie verwendeten Medikamente nennt man Zytostatika. Sie beeinflussen das Zellwachstum und können insbesondere die Zellteilung verhindern oder verzögern. Sie wirken nur auf aktive, sich teilende Zellen. Da Tumorzellen sich besonders häufig teilen und ausbreiten, sind sie das Hauptziel dieser Substanzen. Allerdings werden auch gesunde Körperzellen von Zytostatika in Mitleidenschaft gezogen, was zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann. Neben der wachstumshemmenden Wirkung können einige Zytostatika einen Tumor empfindlicher gegenüber einer Strahlentherapie machen.

Die meisten Zytostatika werden intravenös entweder als Injektion, Kurzinfusion oder aber als „Dauerfusion“ verabreicht. In der Regel läuft die Infusion durch eine Vene am Arm, in manchen Fällen aber auch über einen Katheter, einen sogenannten „Port“, der zuvor in Verbindung zu einer zentralen Körpervene angelegt wurde.

Einige neuere Substanzen können in Tablettenform eingenommen werden. Hierbei gelangt der Wirkstoff über das Verdauungssystem in die Blutbahnen und verteilt sich im ganzen Körper.

Ziel ist es, alle im Körper verstreuten Krebszellen abzutöten. Man nennt diese Behandlung auch systemische Chemotherapie. Die Therapie kann ambulant oder stationär erfolgen, abhängig von der Art der Chemotherapie und den zu erwartenden Nebenwirkungen. Weitere Informationen zu den Nebenwirkungen finden Sie unter dem Register „Chemo- und/oder Strahlentherapie“.
 

Jede Tumorerkrankung ist anders gelagert und unterscheidet sich z.B. auf genetischer Ebene und nicht jedes Zytostatikum wirkt gegen jede Krebsart. 
Welches Medikament und welche Behandlung für Sie den größtmöglichen Erfolg bringt, ermitteln wir in der interdisziplinären Tumorkonferenz des viszeralonkologischen Zentrums individuell auf der Grundlage von gründlichen, umfangreichen Untersuchungen und anhand eines Zellbefundes. 
Wir werden Ihnen erklären und begründen, welche Behandlung für Sie am besten geeignet ist.
 

Die bei einer Chemotherapie eingesetzten Medikamente (Zytostatika) können nicht nur Krebszellen, sondern auch andere Körperzellen schädigen. Deshalb sind Nebenwirkungen möglich.

Besonders die Zellen der Haut, Haare, Schleimhäute und des Knochenmarks teilen sich – wie die Krebszellen – sehr rasch und häufig. Durch die Chemotherapie kommt es zu einer Wachstumshemmung dieser Zellen, was zu Schwäche, Übelkeit und Erbrechen sowie Schleimhautentzündungen und vorübergehendem Haarausfall unterschiedlichen Ausmaßes führen kann. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diesen Nebenwirkungen vorzubeugen oder sie zumindest zu lindern. Insbesondere Übelkeit und Erbrechen können durch spezielle Medikamente, die so genannten Antiemetika, heute sehr effektiv vermieden oder stark abgemildert werden. Prinzipiell ist die Chemotherapie beim Darmkrebs jedoch gut verträglich und verursacht in der Regel keinen Haarausfall. Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs kommen allerdings häufiger Substanzen zum Einsatz, die als Nebenwirkung Haarausfall mit sich bringen. 

Das Knochenmark und die Blutbildung regenerieren sich in der Behandlungspause meist von selbst wieder. Sinkt die Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) stark, besteht erhöhte Infektionsgefahr. Diese Nebenwirkung tritt jedoch bei den Zytostatika, die beim Darmkrebs eingesetzt werden, nur sehr selten auf, beim Bauchspeicheldrüsenkrebs etwas häufiger. Auch die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) können sich durch eine Chemotherapie reduzieren. Das äußert sich durch Müdigkeit und Mattheit. Sollten diese Beschwerden zu ausgeprägt sein, muss eventuell eine Bluttransfusion erfolgen.

Sie werden vor der Behandlung von Ihrem Arzt über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt und während der Behandlung sorgfältig überwacht, damit gegebenenfalls die notwendigen Maßnahmen ergriffen werden können. 

Praktisch alle Nebenwirkungen der Chemotherapie sind auf die eigentliche Behandlungszeit begrenzt und verschwinden anschließend wieder. Fallen beispielsweise die Haare aus, wachsen sie nach Abschluss der Chemotherapie direkt wieder nach.

Wir tun alles, um mögliche Nebenwirkungen zu verringern. Sprechen Sie mit uns! Und denken Sie immer daran: Wir haben den Kampf gegen Ihre Krebserkrankung mit Ihnen gemeinsam aufgenommen!
 

Während einer Chemotherapie treten häufig Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen auf, die den Appetit bremsen und eine Anpassung der Ernährung erfordern. Hier ein paar Tipps, mit denen sich das Übelkeitsgefühl lindern lässt:
-    Öfter kleinere Portionen essen.
-    Langsam essen und gut kauen.
-    Essen, bevor der Magen knurrt.
-    Räume gut durchlüften, um Übelkeit wegen Essensgerüchen zu vermeiden.
-    Ruhe und Entspannung während und nach den Mahlzeiten.
-    Lockere Kleidung tragen, die nicht beengt.
 

Antikörpertherapien

Moderne Therapieverfahren beinhalten z.B. auch sogenannte Antikörpertherapien oder Immuntherapien. Zum Teil nennt man diese Verfahren auch „targeted therapy“, also zielgerichtete Therapien.

Im Gegensatz zu den Chemotherapien, die ganz allgemein auf sich rasch teilende Zellen einwirken, haben diese zielgerichteten Therapien ein genau spezifiziertes Ziel, gegen das sich der Wirkstoff oder der (gentechnisch hergestellte) Antikörper richtet. Somit wird ein Großteil der Nebenwirkungen vermieden. Allerdings ist Voraussetzung, dass die Tumorzellen dieses bestimmte Merkmal aufweist, das zum Ziel der Therapie wird. Das kann z.B. eine spezielle Mutation sein, die zu einer erhöhten Wachstumsrate der Tumorzelle führt und die gezielt „abgeschaltet“ werden kann.

Die meisten dieser Antikörpertherapien haben aber andere Nebenwirkungen, z.B. Hautausschlag, die eine genaue Überwachung und Betreuung der Patienten erforderlich machen.

Im Allgemeinen sind diese Therapien im Bereich der Palliativen Therapien zu finden, also bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen. Sofern es noch um eine erreichbare Heilung geht, ist die aktuelle Therapie der Wahl auch heute noch eine klassische Chemotherapie.

Eine stetige Fortbildung der betreuenden Ärzte sorgt dafür, dass die Therapie auf dem aktuellsten Stand der Wissenschaft ist. Sollten sie trotzdem Fragen zu neuen Therapieformen haben oder möchten sie über Alternativen informiert werden, sprechen sie ihre behandelnden Ärzte gerne an.